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Tiefe oder Breite? So lautet verkürzt jene Frage, die im Bildungswesen als Dauerbrenner bezeichnet werden kann. Sollen möglichst viele Themen gestreift werden, um ein breites Allgemeinwissen zu fördern? Oder ist es besser, weniger Themen zu behandeln, dafür vertieft? Eine neue Studie mit über 8300 Studienanfängern aus den Bereichen Biologie, Chemie und Physik kommt zum Schluss: Breite bringt nichts, Tiefe um so mehr.
Obwohl die Frage "Tiefe oder Breite?" seit jeher diskutiert wird, gibt es darüber nur wenig empirische Forschung. "Lehrpersonen und Bildungspolitiker entscheiden letztendlich aufgrund von Anektoten oder eigenen Schulerfahrungen, wie detailliert Stoff behandelt werden soll", zeigen sich Marc Schwartz und seine Forschungskollegen im Fachjournal "Science Education" überzeugt.
Schwarz hat deshalb bei 8300 amerikanischen Studienanfängern der Fächer Biologie, Chemie und Physik untersucht, es ob einen Zusammenhang gibt zwischen dem Erfolg im Studium und der Frage, ob Stoff in der Schule "tief" oder "breit" (oder beides) behandelt wurde. Gaben befragte Physikstudierende beispielsweise an, in ihrer Klasse Schule sei Elektromagnetismus während mindestens eines Monats behandelt worden, wurde dies von den Forschern als "vertieft" eingestuft.
Das Resultat: In allen drei Fächern (Biologie, Chemie und Physik) erbrachten jene Studierenden die besseren Noten, die in der Schule mindestens einmal ein Thema ihres Faches vertieft behandelt hatten. Dass sie sich dadurch mit "weniger" Stoff auseinandergesetzt hatten als andere Studierende, wurde ihnen also nicht zum Verhängnis - im Gegenteil.
Ein Vergleich macht den Unterschied deutlich: Physikstudierende, welche im Schulunterricht "Tiefe" erfahren hatten, lagen mit ihren Leistungen neun Monate vor jenen, die viele Themen oberflächlich behandelt hatten. In Biologie betrug der Unterschied ein halbes Jahr, in Chemie ein Vierteljahr. Die Forscher berücksichtigten dabei auch andere Faktoren wie die Bildung der Eltern, Schultyp, mathematisches Können, Muttersprache und anderes.
Die Forscher schliessen aus ihren Resultaten, dass Lehrpersonen naturwissenschaftlicher Fächer mindestens einmal ein Thema über eine längere Zeitspanne hinweg behandeln sollten, denn Lernende ändern ihr naives naturwissenschaftliches Verständnis weder schnell noch einfach. Wenn ihnen jedoch genug Zeit und viele Lerngelegenheiten geboten werden, können sie ihre Ideen überdenken und revidieren.
Noch etwas deutlicher werden die Forscher im Schlusswort: "Unsere Resultate weisen darauf hin, dass ein breit angelegter Stoffplan vermieden werden sollte".
Quelle:
Marc Schwartz et al (2009); Depth Versus Breadth: How Content Coverage in High School Science Courses Relates to Later Success in College Science Coursework
Science Education. Volume 93, Issue 5 (September 2009)
21. September 2009
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