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Redaktion und Review
Themenauswahl und Redaktion
Gaby Schweizer
Fachliches Review:
Dr. Henrik Saalbach
bis August 2011: Prof. Dr. Michael Schneider
Weltweit herrscht Ingenieurmangel. Forscher der Universität Vanderbilt argumentieren, in der Bildung müsse dem räumlichen Vorstellungsvermögen endlich die ihm gebührende Aufmerksamkeit geschenkt werden – denn dort liege der Schlüssel zum Pool brachliegender Talente.
Seit 50 Jahren weisen Studien darauf hin, dass Menschen, die in mathematischen, technischen oder naturwissenschaftlichen Bereichen starke Leistungen zeigen, oft über eine Begabung im räumlichen Denken verfügen. Unter räumlichem Vorstellungsvermögen versteht man die Fähigkeit, visuelle Bilder im Kopf zu generieren, abzurufen, zu behalten und zu transformieren (Beispielaufgabe 1, Beispielaufgabe 2).
Jonathan Wai, David Lubinski und Camilla Benbow von der Universität Vanderbilt argumentieren nun in einer neuen Studie, das Potential räumlich begabter Menschen werde nicht genügend genutzt und gefördert – und dies in einer Zeit, in der mathematische, technische und naturwissenschaftliche Expertise wichtiger sei denn je.
Die Autoren haben die Daten dreier amerikanischer Langzeitstudien miteinander verglichen und eine davon (mit 400 000 Teilnehmern) neu analysiert.
Das Resultat: Die Wahrscheinlichkeit, in den Bereichen Mathematik, Technik oder Naturwissenschaft einen hohen Bildungsabschluss zu erlangen, nimmt als Funktion des räumlichen Vorstellungsvermögens zu. Oder in Zahlen: Mehr als 90 Prozent der Personen, die einen Doktortitel in einem dieser Bereiche erwarben, gehörten in ihrer Jugend zu den 25 Prozent der Besten, wenn sie beispielsweise die Lage von Körpern im dreidimensionalen Raum analysieren mussten.
Herkömmliche Talentförderungsprogramme zielen in der Regel an dieser Talentgruppe vorbei. "Es gibt Grund anzunehmen, dass den Bedürfnissen dieser Jugendlicher weniger Beachtung geschenkt wird als den Bedürfnissen mathematisch und sprachlich begabter Schülerinnen und Schüler, schreiben die Autoren, „da der typische Lehrplan in den Schulen mehr Gelegenheit bietet, letztere Fähigkeiten zu entwickeln." Die Autoren sehen nun Handlungsbedarf: Räumliches Denken solle besser diagnostiziert und gefördert werden.
Dabei darf nicht der Eindruck entstehen, räumliches Vorstellungsvermögen könne losgelöst von Inhalten trainiert werden. Über alle Begabungen gesehen, befindet sich das räumliche Vorstellungsvermögen nahe der physikalischen, technischen und mathematischen Fähigkeiten. Es muss mit diesen Inhalten in Beziehung gesetzt werden, damit es zu "intelligentem Wissen" wird, wie sich die Lehr- und Lernforschung ausdrückt.
Und schliesslich: Geht es darum, dass junge Menschen sich für ein Gymnasialprofil oder eine Studienrichtung entscheiden, könnte das genaue Wissen um eine räumliche Begabung ebenfalls von Nutzen sein.
Quelle:
Jonathan Wai, David Lubinski, Camilla Benbow (2009): Spatial Ability for STEM Domains: Aligning Over 50 Years of Comulative Psychological Knowledge Solidifies Its Importance
Journal of Educational Psychology 2009: Vol. 101. No. 4, 817-835
25. Januar 2010
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