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Offene Bücher: ja oder nein?

Sollen Schülerinnen und Schüler mit offenen Büchern Prüfungen ablegen dürfen? Oder muss der Kopf ausreichen, um eine gute Note zu machen? Die Meinungen dazu gehen auseinander.  Eine Untersuchung an Biologiestudenten rät nun davon ab, die Bücher offen zu legen:  Prüfungen mit offenen Büchern würden gewissenhaftes Lernen behindern.


Laut den beiden Biologielehrpersonen Randy Moore und Philip Jensen zeigt sich immer wieder, welche "Sorte" von Studentinnen und Studenten an Prüfungen gute Noten erreichen: Jene, die die Lektionen und zusätzliche Fragestunden regelmässig besuchen und zum Beispiel durch nicht-obligatorische Aufsätze ihre Noten zu verbessern versuchen. Es sind jene Studentinnen und Studenten, die die Wahl getroffen haben, sich für ein Fach zu engagieren.

Moore und Philip wurden in der Vergangenheit von ihren Studenten immer wieder aufgefordert "open-book" Prüfungen durchzuführen - und fragten sich nun, ob diese Form von Prüfungen einen Einfluss auf der Verhalten der Studenten hat.

Die Leistungen und das Verhalten von 350 Studentinnen und Studenten wurden protokolliert und die Studenten in zwei Gruppen eingeteilt: In eine Experimentalgruppe (offene Bücher) und eine Kontrollgruppe (geschlossene Bücher).

Während eines Jahres legten die jungen Frauen und Männer vier Prüfungen ab: In der ersten Prüfung blieben die Bücher beider Gruppen geschlossen. Der Notendurchschnitt beider Gruppen erwies sich dabei als fast identisch. Die nächsten beiden Prüfungen waren verschiedener Natur: geschlossene Bücher für die Kontrollgruppe, offene Bücher für die Experimentalgruppe. Die Experimentalgruppe schnitt in beiden Prüfungen besser ab. Beim Schlussexamen, welches den Stoff aller vorherigen Prüfungen enthielt, mussten beide Gruppen die Bücher schliessen. Das Resultat: Die Experimentalgruppe schnitt hier signifikant schlechter ab.

Die Autoren schliessen daraus, dass "open-book" Prüfungen langfristiges Lernen behindern. Den Stoff, den die Experimentalgruppe nach dem 2. und 3. Examen hätten beherrschen sollen, war am Schlussexamen grösstenteils wieder vergessen.

Was sind die Gründe für das schlechte Abschneiden der Experimentalgruppe an der Schlussprüfung? Die Autoren stellen fest, dass die "open-book" Prüfungen das Verhalten der Studenten negativ beeinflussen: Die jungen Frauen und Männer erschienen weniger oft zu den Vorlesungen, besuchten nur in kleinen Zahlen die Fragestunden und nahmen sich kaum die Mühe, mittels freiwillgen - von der Lehrperson vorgeschlagenen - Aufsätzen ihre Noten aufzubessern. Auch auf die Prüfungen bereiteten sich diese Studenten weniger gewissenhaft vor: Die beiden Autoren konnten beobachten, wie in der Experimentalgruppe auch bei Basiswissen-Fragen in den Büchern geblättert wurde.

Quelle:

Randy Moore and Philip A. Jensen: Do Open-Book Exams Impede Long-Term Learning in introductionary Biology Courses?

Journal of College Science Teaching, July/August 2007

 

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