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Die Pflanzenblindheit

Menschen kennen Tiere besser als Pflanzen. Diese kaum überraschende Tatsache wurde mittlerweile in Studien bestätigt - nun auch bei Psychsologie- und Botanikstudierenden. Was die so genannte "Pflanzenblindheit" für den Biologieunterricht bedeuten kann, bespricht die Biologin Elisabeth Schussler im Journal of Biological Education.

Im Jahr 1998 haben die amerikanische Botanikerin Elisabeth Schussler und der Botaniker James Wandersee einen neuen Begriff geschaffen: "Pflanzenblindheit". Der Begriff drückt die Sorge und Tatsache darüber aus, dass viele Menschen Pflanzen entweder gar nicht oder nur nebenbei wahrnehmen - nämlich in Form von "Büschen", "Unkräutern" oder "Bäumen". Die Folge: Immer weniger Menschen realisieren, welche Bedeutung Pflanzen in Ökosystemen haben und welch wichtige Basis sie für die menschliche Ernährung,  Atmung und Existenz darstellen.

Die Botanikerin Elisabeth Schussler hat nun bei Studierenden untersucht, wie gut Pflanzen- oder Tiernamen im Gedächtnis haften bleiben. Wie erwartet schnitten die Pflanzen dabei signifikant schlechter ab - wobei es keinen Unterschied machte, ob Psychologie- oder Botanikstudenten den Erinnerungstest durchführten. 

Den Studierenden wurden 25 Bilder von sehr bekannten Pflanzen (Kürbis, Rose, Sonnenblume, Palme, Kaktus, Mais usw.) und 25 Tierbilder gezeigt. Nach einer kurzen Ablenkungsaufgabe wurden die Probanden aufgefordert, die Namen der präsentierten Tiere und Pflanzen zu notieren. Während sich die jungen Frauen und Männer durchschnittlich an 5.97 Pflanzen erinnern konnten, lag der Wert bei den Tieren bei 6.42, was einen signifikanten Unterschied darstellt. Die Männer schnitten bei den Pflanzennamen schlechter ab als die Frauen. 

Laut der Forscherin können zwei Gründe für dieses Resultat verantwortlich sein: Entweder haben die Studierenden die Pflanzenbilder mit weniger Aufmerksamkeit betrachtet oder sie haben die Pflanzenbilder schneller wieder vergessen. "Beides hat Folgen für den Biologieunterricht, da die unterschiedliche Wahrnehmung von Pflanzen und Tieren womöglich tief verwurzelt ist - aus kulturellen oder kognitiven Gründen", schreibt Schussler. 

Schussler fordert Lehrpersonen auf, Pflanzen im Biologieunterricht gleich viel Platz einzuräumen wie Tieren, um dem beobachteten Trend entgegenzusteuern. Und fügt hinzu: "Schülerinnen und Schüler brauchen Unterstützung, um die grüne Seite des Lebens bewusst wahrzunehmen." 

Quelle

Elisabeth Schussler and Lynn Olzak: It's not easy being green: student recall of plant and animal images.

Journal of Biological Education, Volume 42, Number 3, Summer 2008

 

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