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Wenn Schüler das Lehrbuch auswählen

Was geschieht, wenn die Schüler oder Studenten das Physiklehrbuch selber auswählen dürfen? Nichts Schlimmes. Im Gegenteil.

Wie wählt man ein gutes Physiklehrbuch aus? Der Physikdozent L.S. Dake vom Utica College im Staat New York überliess vor drei Jahren die Wahl seinen Studenten. Im frei zugänglichen Artikel des Fachjournals "The Physics Teacher" beschreibt er das Wahlverfahren und das - in manchen Bereichen vielleicht überraschende - Resultat.

Ein mehrstufiges, zweimonatiges Wahlverfahren, während dem die Studierenden angeleitete Reviews schrieben und miteinander diskutierten, führte zu folgenden Kriterien und deren Prioritäten:

  1. Oberste Priorität hatte der Preis (für Studenten zweifellos ein Kriterium, für Schüler und Schüllerinen wohl weniger).

  2. Als zweites Kriterium wurde das Gewicht angegeben: Das Herumschleppen von schweren Büchern ist kein Vergnügen.

  3. Die Beispiele innerhalb des Textes bildeten die nächst wichtige Entscheidungsgrundlage. Die Beispiele sollten komplett ausgearbeitet und erklärt sein. Ausserdem bevorzugten die Studenten Beispiele, die im Lesetext integriert und nicht am Schluss des Kapitels angehängt werden.

  4. Kontrollfragen wurden als hilfreich angesehen, doch wollten die Studierenden auch Antworten dazu bekommen. In vielen Büchern werden nur die Fragen abgedruckt.

  5. Die Studierenden wünschten sich gründliche Erklärungen, aber nicht zu viel Tiefe oder unnötige Details.

  6. Schliesslich begutachteten die Studenten auch das Layout sehr kritisch: Ein zweispaltiges Seitenlayout wurde nicht als leserfreundlich eingestuft. Ausserdem wollten die jungen Frauen und Männer beim Lesen nicht durch Grafiken oder Abbildungen abgelenkt werden. Am Seitenrand hingegen wurden diese Elemente gebilligt.  Verschiedene Schriften und Farben wurden als störend angesehen.


Während die oben genannten Punkte wohl keine generelle Gültigkeit haben, so scheinen sie doch die Wünsche anderer jungen Lernenden zu wiederspiegeln. Zwei andere Studien berichten von ähnlichen Wünschen und Kriterien bei der Wahl von Chemielehrbüchern.

Das gewählte Buch wird vom Physikdozent L.S. Dake nun schon seit drei Jahren erfolgreich einsetzt. Anonyme Umfragen während dieser Zeit hätten ergeben, dass die Studierenden mit dem Buch zufrieden seien oder sich zumindest nicht deutlich beschwerten. "Das war früher anders. Ich erhielt stets zahlreiche (nicht immer berechtigte) Reklamationen über das benutzte Lehrbuch", schreibt Dake.

Quelle:

L.S. Dake: Student Selection of the Textbook for an introductory Physics Course

The Physics Teacher, Vol. 45, No. 7, pp 416-419


26. Oktober 2007

 

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